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Was ist, wenn ich während der Therapie zu wenig esse? – Die unterschätzte Gefahr

In der Hoffnung auf schnellen Erfolg oder durch Nebenwirkungen der Therapie wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl oder Übelkeit essen viele Menschen im Rahmen einer Gewichtsreduktion deutlich zu wenig. Was gut gemeint ist, kann jedoch zu ernsthaften Problemen führen: Unterernährung, auch bei Übergewicht oder Adipositas, ist ein reales Risiko und wird oft übersehen.

Was passiert, wenn ich dauerhaft zu wenig esse?

Der Körper braucht Energie und Nährstoffe nicht nur zum „Abnehmen“, sondern zum Leben. Wer langfristig unter dem eigenen Bedarf liegt, riskiert:

  • Abbau von Muskelmasse (auch Herzmuskel)

  • Schwächung des Immunsystems

  • Erschöpfung, Frieren, Konzentrationsstörungen

  • Ausbleiben der Periode

  • Haarausfall, brüchige Nägel, trockene Haut

  • Erhöhtes Risiko für einen Rebound-Effekt nach der Diät

Diese Zeichen sind Alarmsignale. Sie deuten darauf hin, dass der Körper nicht mehr ausreichend versorgt ist, selbst wenn äußerlich noch „genug Reserven“ vorhanden scheinen.

Was ist mein minimaler Energiebedarf?

Der Grundumsatz, also der Energiebedarf des Körpers in völliger Ruhe, hängt vor allem von der fettfreien Körpermasse ab, also insbesondere von Muskel- und Organmasse. Auch während einer Gewichtsreduktion sollte dieser Bedarf nicht dauerhaft unterschritten werden, um eine ausreichende Versorgung aller Körperfunktionen sicherzustellen.

Wir Ernährungsfachkräfte von The Body Clinic haben diesen Aspekt im Blick und unterstützen Sie dabei, ein zu großes Kaloriendefizit zu vermeiden. So stellen wir sicher, dass Ihre Ernährung nicht nur zur Gewichtsreduktion beiträgt, sondern gleichzeitig Ihren Körper mit ausreichend Energie und Nährstoffen versorgt.

Warum ist das auch bei Adipositas relevant?

Selbst bei Menschen mit höherem Gewicht kann durch zu geringe Nahrungszufuhr eine qualitative und quantitative Mangelernährung entstehen. Laut S3-Leitlinie Adipositas kann das Risiko insbesondere steigen, wenn Abnehmprogramme ohne professionelle Begleitung oder mit rigiden Diätvorgaben erfolgen. Besonders kritisch ist dies in Kombination mit GLP-1-Therapien, die das Hungergefühl stark reduzieren.

Wie kann ich Unterversorgung erkennen und gegensteuern?

Warnzeichen, die Sie im Blick haben sollten:

  • Schneller Gewichtsverlust (> 1 kg/Woche über mehrere Wochen)

  • Anhaltende Schwäche oder ständiger Schwindel

  • Kein Hungergefühl mehr

  • Ausbleibende Verdauung bei normaler Flüssigkeitszufuhr

  • Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen

Was hilft:

  • Regelmäßige Mahlzeiten (mind. 3 am Tag, plus Snacks bei Bedarf)

  • Proteinreiche, nährstoffdichte Lebensmittel

  • Nicht unter dem individuellen Mindestbedarf essen, bei Unsicherheit helfen professionelle Ernährungsfachkräfte

  • Gewicht und Körperzusammensetzung regelmäßig kontrollieren (die Waage allein reicht nicht)

Fazit

Zu wenig zu essen kann nicht nur den Erfolg Ihrer Therapie gefährden, sondern auch Ihre Gesundheit. Eine sichere und nachhaltige Gewichtsabnahme braucht Energie und vor allem: ausreichend Nährstoffe. Wer frühzeitig auf Warnzeichen achtet und sich fachlich begleiten lässt, schützt seinen Körper und bleibt langfristig leistungsfähig.

Quellen

  • S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas“ (2023)

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Energiebedarf (2020)

  • WHO (2019): „Nutrition advice for adults during the COVID-19 outbreak“ – Hinweise zur Vermeidung von Mangelernährung

  • ESPEN Guidelines on Clinical Nutrition in Obesity (2019)

  • NICE Guidelines (UK) on Malnutrition (2021)

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